Dem Begriff Waldbaden konnte man sich in den letzten Monaten kaum entziehen, er war und ist in allen Medien präsent.

Reha-Kliniken erweitern ihr Angebot um ihre Attraktivität zu steigern, erste Krankenkassen in Deutschland haben die Wirksamkeit anerkannt und unterstützen in naher Zukunft ihre Mitglieder bei einer Waldbadekur, ja, es geht also auch um wirtschaftliche Interessen. 

Sicherlich lädt der Begriff Waldbaden auch zum Schmunzeln ein und wird, wie ich finde, oft unangemessen kommentiert mit "..die die Bäume umarmen..." oder "...wieder so ein esoterischer Quatsch aus Übersee...".

Ja, es ist vorgekommen, das wir das tun, die größten und wohl wichtigsten Pflanzen auf der Erde zu umarmen und ja, es ist vorgekommen, dass wir hier im Wald in "meinem" Flüsschen ein Fußbad genossen haben... das allein jedoch macht das Waldbaden nicht aus.

Die mögliche Zutaten-Liste eines Waldbades ist sehr viel umfangreicher, kann sehr variabel in ihrer Zusammensetzung gestaltet werden und ist ständig im Wachstum weil kreative Menschen Erfahrungen machen.

Waldbaden als Esoterik-Trend zu bewerten ist aus meiner Sicht falsch. Es existieren national und international viele wissenschaftliche Studien über nachhaltige, das Wohlbefinden und somit auch die Gesundheit fördernde Wirkungen. Japan reduziert mit der Maßnahme Waldbaden auf Rezept seine Gesundheitskosten, ein effektiver und effizienter sowie Ressourcen schonender Weg, in diesen unseren Zeiten der Klimaprobleme enorm wichtig. 

Wie eingangs geschrieben: Nach einem Spaziergang durch den Wald fühlt man sich wohler, dieser Effekt wird durch die Methodik und die Übungen des Waldbades nachweislich gesteigert.

Alle Übungen eines Waldbades bedienen sich hauptsächlich derjenigen Dinge, welche die Natur am Ort des Geschehens, im Moment des Geschehens anbietet und mit denen wir Menschen in Verbindung gehen können. Das wiederum kann ein Lernprozess sein, der Übung, Ausdauer und auch Disziplin, die kleine Schwester des Glücks, erfordert.

Zusätzlich nutze ich einige wenige Hilfsmittel wie z.B. Spiegel, Schnüre und Seile, Messer, Augenbinden und Tücher zur Unterstützung. Die Übungen selbst können als hilfreiche Katalysatoren auf dem Wege zu mehr natürlichem Wohlbefinden bezeichnet werden. 

Die mentalen Werkzeuge eines gelungenen Waldbades: 

  • Einfach nur langsam gehen lassen, in Gelassenheit.
  • Nirgendwo ankommen wollen und müssen.
  • Auf und in den Körper hören ohne zu bewerten.
  • Gedankenlosigkeit üben und praktizieren.
  • Sich ausruhen, wenn einem danach ist, einfach nur  herumsitzen.
  • Behaglichkeit praktizieren, auf sich acht geben.
  • Seinen eigenen, momentanen Bedürfnissen folgen.
  • Träumen und still sein.
  • Alle Sinne nutzen.
  • Demut üben, das Schöne im Kleinen und Großen (an)erkennen.
  • Sich erden und mit der Natur verbinden.
  • Kindliches Unbewusst sein entwickeln.
  • Spielend leicht in Freude sein.
  • Bei sich selbst ankommen.